Siegerehrung 2009: Wladimir Kramniks neunter Sieg beim Sparkassen Chess-Meeting

 

Über 10.000 begeisterten Schachfreunde strömten 1992 in die Westfalenhallen, um anlässlich der 20. Internationalen Dortmunder Schachtage, griffig „Chess-Meeting“ genannt, die großen Stars der internationalen Schachszene wie Garri Kasparow, Viswanathan Anand und Wassili Iwantschuk zu erleben. Eine Etage darunter, in der Schwemme der „kleinen“ Westfalenhalle, zeigten Hunderte Amateure und Nachwuchsspieler ihre ebenfalls beachtliche Klasse. Darunter zwei junge Herren, die zahllose Blicke auf sich lenkten: Der zwölfjährige Peter Leko aus Ungarn und der nur vier Jahre ältere hochgewachsene Wladimir Kramnik aus Russland. Beide faszinierten mit ihren formidablen „Zauberhändchen“. Kramnik schrieb sich mit dem 2. Platz in seinem Open sogar in die Siegerliste ein.

Den Fachleuten war klar: Hier reifen zwei künftige Weltklassespieler heran. Die Entwicklung gab ihnen recht: Peter Leko wurde später Vize-Weltmeister und gewann das Dortmunder Turnier insgesamt drei Mal, Weltmeister Wladimir Kramnik sogar zehn Mal. Dazu kommen bei Kramnik noch sieben zweite Plätze. Unglaublich, wie er „Dortmund“ praktisch zu seinem persönlichen „Schach-Wohnzimmer“ machte.

1993 tauchte Wladimir Kramnik erstmalig im hiesigen Großmeisterturnier auf.

Die Veranstaltung im Berufsförderungswerk in DO-Hacheney wurde noch einmal vom langjährigen Weltmeister Anatoli Karpow dominiert. Er siegte mit 5,5 Punkten vor Kramnik, der auf 4,0 Punkte kam und dem großen Anatoli immerhin ein Remis abtrotzte. 1994 folgten ein paar schachliche Rückschläge und ein Dortmund-Verzicht. Dann aber ging es Schlag auf Schlag: Von 1995 bis 1998 folgte der Aufstieg in die absolute Weltspitze, der sich augenfällig in seinem vierfachen Triumpf beim Sparkassen Chess-Meeting artikulierte.

Der damalige Hauptschiedsrichter Lothar Schmid, Karl-May-Verleger, Großmeister und anerkannter internationaler Schach-Experte, lobte Kramink gern in den höchsten Tönen und prophezeite ihm eine Karriere, vergleichbar mit der von Garri Kasparow. 1995 siegte Kramnik ohne eine einzige Verlustpartie mit 7,0 Punkten und ließ Stars und Sternchen wie Karpow, Lautier und den 15-jährigen Leko hinter sich. Das Turnier faszinierte die Besucher dermaßen, dass mehrfach an der Eingangstür zum Schauspielhaus, in das man 1994 umgezogen war, das Schild „ausverkauft“ den Andrang stoppen musste.

Ein Jahr später das gleiche Bild: Wladimir Kramnik wird erneut Erster und verliert erneut keine Partie. 7,0 Punkte wie er erreicht aber auch Viswanathan Anand aus Indien, der sich erst in der Feinwertung geschlagen geben muss. Auf dem 5. Rang im Weltklassefeld Judith Polgar, die beste Schachspielerin aller Zeiten. Sie lässt Spitzenspieler wie Alexei Shirow und Weselin Topalow mit Können und Charme hinter sich.

Das Opernhaus erlebt 1997 die 25. Auflage des Turniers, das sich mittlerweile in der absoluten Weltspitze etabliert hat und zu den drei wichtigsten Schachveranstaltungen der Welt gehört. Die Jubiläumsveranstaltung, gern als Silberhochzeit zwischen Dortmund und dem Schachsport apostrophiert, ist sowohl ein schachliches als auch ein mediales Spektakel. Das russische und das indische Fersehen sind beispielsweise vor Ort und berichten in ihrer Heimat täglich zur besten Sendezeit. Wladimir Kramnik ist erneut in Topform und und siegt – wie gewohnt ungeschlagen – vor Anand und Topalow. Kramniks Erfolge lassen die Schachwelt aufhorchen. Als er 1998 den vierten Dortmund-Sieg in Folge landet, meldet er unausgesprochen aber trotzdem unüberhörbar seinen Anspruch auf die absolute Spitzenposition im Weltschach an. Noch ist Kasparow Weltmeister. Noch!!