Das 45. Sparkassen Chess-Meeting begann mit einer faustdicken Überraschung. Der 10-malige Gewinner und Favorit auf den Turniersieg, Wladimir Kramnik, verlor mit den weißen Steinen gegen seinen Landsmann Wladimir Fedoseev, nachdem er sich verkalkulierte und nach einem fehlerhaften Figurenopfer schon nach 29 Zügen die Segel streichen musste. Die restlichen Partien endeten remis. Dabei ließ Radoslaw Wojtaszek gute Siegchancen gegen Maxime Vachier-Lagrave aus.


Traumstart für Wladimir Fedoseev

Vor Beginn des Großmeisterturniers kamen die Zuschauer im sehr gut besuchten Orchesterzentrum in den Genuss eines Vorprogramms. Der Liedermacher Fred Ape sorgte mit einer Gesangseinlage für entspannte Stimmung, bevor die Organisatoren zwei Ehrungen durchführten. Dr. Helmut Pfleger erhielt für seine Verdienste um den Schachsport den Salomon-Elkan-Preis und die Wichlinghofener Grundschule den Ferdinand-Fabra-Preis für ihre Erfolge im Schulschach.

 
Dr. Helmut Pfleger (zweiter von rechts) lauscht der Laudatio von Veranstaltungsleiter Gerd Kolbe (ganz rechts)

Mit einer besonders schönen Idee erfolgte der Einmarsch der "Gladiatoren". Die Großmeister betraten mit Schülern der genannten Grundschule der Reihe nach die Bühne, so wie man es vom Fußball kennt. Eine tolle Geste, die Schule machen sollte.

Am Brett von Wladimir Fedoseev und Wladimir Kramnik eröffnete Birgit Jörder kurze Zeit später das 45. Sparkassen Chess-Meeting. Die Bürgermeisterin flankierten Uwe Samulewicz (Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Dortmund), Klaus Deventer (Deutscher Schachbund) und Stefan Koth (Turnierdirektor).

Die diesjährige Auflage ist Wladimir Kramnik gewidmet, doch den Auftakt hatte sich der 14. Weltmeister der Schachgeschichte bestimmt anders vorgestellt. Sein Landsmann Wladimir Fedoseev eröffnete auf den Doppelschritt des e-Bauern mit der Caro-Kann-Verteidigung und Kramnik wählte eine aktuell heiß diskutierte Nebenvariante. Fedoseev zeigte sich aber bestens vorbereitet. "Diese Variante habe ich mit meinem Trainer Alexander Khalifman dieses Jahr ausführlich analysiert."

Der 22-jährige St. Petersburger platzierte im 12. Zug einen Springer im Zentrum und bot ein Bauernopfer an. Kramnik lehnte dieses ab und entschied sich einige Züge später eine Figur zu opfern. Offensichtlich hatte sich der Rekordsieger von Dortmund aber verrechnet. Fedoseev wehrte die Angriffsversuche gegen seinen König ab und verbuchte schon nach 29 Zügen einen überraschenden Sieg mit den schwarzen Steinen.


Enttäuschender Auftakt für Wladimir Kramnik

Gute Siegchancen hatte bei seiner ersten Partie in Dortmund Radoslaw Wojtaszek. Der polnische Großmeister glich in einer Spanischen Partie gegen Maxime Vachier-Lagrave probemlos aus und besaß sogar gute Gewinnchancen, nachdem der Titelverteidiger im Mittelspiel einen Bauern opferte. "Ich übersah völlig sein Läufermanöver, wonach ich deutlich schlechter stehe", gab der Franzose unumwunden zu.

Wojtaszek verpasste aber im Endspiel mehrere starke Fortsetzungen und leitete in ein Damenendspiel mit Mehrbauer über, das er nach dem Tausch aller Bauern remis geben musste. "Es ist natürlich ärgerlich, wenn man hinterher feststellt, wie groß der Vorteil tatsächlich war", äußerte sich Wojtaszek im Anschluss.

Dmitry Andreikin gelang es seinen Gegner Wang Yue in der Eröffnung mit einer seltenen Variante des angenommenen Damengambits zu überraschen. Trotzdem besaß laut beiden Akteuren der 30-jährige Chinese dank seines Läuferpaars etwas Vorteil im Mittelspiel. Diesen konnte er aber nicht verdichten und musste sich in einem Läuferendspiel etwas strecken, um eine Niederlage zu vermeiden. "Ja, im Endspiel stehe ich etwas schlechter, doch das ist immer remis", wischte Wang Yue jegliche Zweifel vom Tisch.

Die längste Partie des Tages spielten die beiden deutschen Teilnehmer. Liviu-Dieter Nisipeanu wählte gegen Matthias Blübaum mit Weiß ein Damenbauernspiel und nach dem frühen Tausch der Damen stand er im Endspiel etwas angenehmer. Der Kampf plätscherte ein wenig daher und nach 36 Zügen stand ein Turmendspiel auf dem Brett.

Der 40-jährige Nisipeanu probierte gegen seinen halb so alten Kontrahenten alle die sich ihm bietenden Tricks aus, doch Blübaum fand die besten Züge, um sich nach 68 Zügen den halben Punkt zu sichern. "Ich musste einige einzige Züge finden im Turmendspiel. Zum Glück passte alles haargenau", freute sich Blübaum über das Ergebnis.

Die zweite Runde des Sparkassen Chess-Meetings beginnt am Sonntag den 16. Juli um 15 Uhr. Die Paarungen lauten wie folgt:

Matthias Blübaum - Wladimir Fedoseev
Dmitry Andreikin - Wladimir Kramnik
Radoslaw Wojtaszek - Wang Yue
Liviu-Dieter Nisipeanu - Maxime Vachier-Lagrave


Das 45. Sparkassen Chess-Meeting findet vom 15. bis 23. Juli im Orchesterzentrum in Dortmund statt. Es ist Wladimir Kramnik gewidmet, der vor 25 Jahren das erste Mal an den Start ging und sich bereits zehn Mal in die Siegerliste eintragen konnte. Die Runden beginnen täglich um 15 Uhr außer die letzte Runde, die schon um 13 Uhr startet. Den Spielplan finden sie unter diesem Link. Vor Ort kommentieren die Großmeister Klaus Bischoff und Sebastian Siebrecht (Foto unten) die Partien für die Zuschauer.

Text und Fotos: Georgios Souleidis