In der 2. Runde sorgten beim Sparkassen Chess-Meeting zwei Spieler für Furore, die zum ersten Mal in Dortmund mitspielen. Radoslaw Wojtaszek besiegte Wang Yue und übernahm die Tabellenführung zusammen mit Matthias Blübaum, der, aus deutscher Sicht erfreulich, Wladimir Fedoseev überrannte. Dmitry Andreikin und Wladimir Kramnik trennten sich unentschieden genau wie Liviu-Dieter Nisipeanu und Maxime Vachier-Lagrave, die ein schnelles Remis produzierten.


Matthias Blübaum besiegt Kramnik-Bezwinger

Die erste Partie der 2. Runde endete schon nach 1,5 Stunden. Liviu-Dieter Nisipeanu und Maxime Vachier-Lagrave teilten sich nach einem ausgeglichenen Verlauf den Punkt. Die deutsche Nr. 1 wählte gegen die von Vachier-Lagrave geliebte Grünfeld-Indische Verteidigung einen englischen Aufbau. Der Franzose variierte im Vergleich zu Vorgängerpartien seine Spielweise, was Nisipeanu aus dem Konzept brachte. "Ich kann innerhalb meines Repertoires natürlich abweichen, um der Vorbereitung meines Gegners aus dem Weg zu gehen", erklärte der Titelverteidiger sein Vorgehen.

Die Spieler tauschten schon nach 15 Zügen die Damen und in der Folge fast forciert einen Großteil ihrer Armeen. Das führte nach 21 Zügen zu einem ausgeglichenen Turmendspiel, das schnell remis gegeben wurde. "Das ist natürlich peinlich mit Weiß so zu spielen", ärgerte sich Nisipeanu im Nachhinein und fügte hinzu, dass er die gespielte Variante in seiner Vorbereitung auf die Partie übersehen hatte. Vachier-Lagrave hatte gegen das Remis mit Schwarz nichts einzuwenden und erkundigte sich direkt nach dem Kampf erstmal, wie es bei Roger Federer stehe. Der schweizer Tennisprofi lag im Endspiel in Wimbledon zu diesem Zeitpunkt nach Sätzen mit 2:0 in Führung, kurz bevor er das Grand-Slam-Turnier gewann.

Matthias Blübaum kam zu einem erstaunlich leichten Sieg gegen Wladimir Fedoseev. In einem Abspiel der Halbslawischen Verteidigung kannte sich der 20-jährige Ostwestfale deutlich besser aus als sein Gegner und widerlegte dessen riskantes Spiel. Blübaum eroberte im Mittelspiel das Läuferpaar und besaß eine gefährliche Bauernmehrheit am Königsflügel.

Diese setzte er sofort in Bewegung und zerstörte die schwarze Königsstellung. Blübaum gewann eine Qualität und kurze Zeit später gab Fedossev auf, bevor er weiteres Material verlor. "Mit diesem lockeren Sieg habe ich natürlich nicht gerechnet, aber er kam mit der passiven Stellung überhaupt nicht klar", freute sich Blübaum im Anschluss über seinen ersten Sieg bei einem Superturnier.

Zu seinem ersten Sieg in Dortmund kam auch Radoslaw Wojtaszek. Der polnische Großmeister bezwang Wang Yue und teilt sich nach zwei Runden die Spitze mit Blübaum. "Ich musste heute etwas riskieren, falls ich in diesem Turnier etwas erreichen möchte", erläuterte Wojtaszek seine Strategie. Tatsächlich hielt sich das Risiko allerdings in Grenzen. Wang Yue agierte in einer Nimzowitsch-Indischen Partie gewohnt solide und ging jeglichen Verwicklungen in der Eröffnung aus dem Wege. Er erlaubte seinem Gegner aber einen gefährlichen Freibauern auf der c-Linie.

Im Endspiel hatte der 30-jährige Chinese mehrmals die Möglichkeit dem Remis näherzukommen, versuchte aber durch einen schönen Bauernvorstoß im Zentrum seinerseits die Initiative zu ergreifen. Das führte aber zu einer Stellung, in der die weißen Türme am Damenflügel einzudringen und den schwarzen König matt zu setzen drohten. Beide Spieler übersahen eine fantastische Rettung für den chinesischen Großmeister. Stattdessen gewann Wojtaszek entscheidend Material und die Partie. "Ich dachte ich stehe auf Gewinn, aber diese Rettung war wirklich schwierig zu sehen", war Wojtaszek völlig überrascht ob des Computervorschlags.

Wladimir Kramnik zeigte sich von der Niederlage am Vortag gut erholt und sicherte sich mit Schwarz einen halben Punkt gegen Dmitry Andreikin. In einer Wiener Partie versuchte Andreikin den 10-maligen Sieger von Dortmund schon im 5. Zug mit einer ungewöhnlichen Neuerung zu überraschen. "Das ist modernes Schach. Man muss Risiko eingehen, wenn man auf Gewinn spielen möchte", erklärte Andreikin sein Vorgehen. Kramnik reagierte großmeisterlich und glich die Partie problemlos aus. Im Mittelspiel besaß er die Möglichkeit die Stellung kompliziert zu halten, doch er bevorzugte den Übergang ins Endspiel. Hier wurde das Gleichgewicht nie gestört und die Kontrahenten teilten sich nach 48 Zügen den Punkt.

Die drittte Runde des Sparkassen Chess-Meetings findet nach einem Ruhetag am Dienstag den 18. Juli statt. Die Paarungen lauten wie folgt:

Maxime Vachier-Lagrave - Matthias Blübaum
Wang Yue - Liviu-Dieter Nisipeanu
Wladimir Kramnik - Radoslaw Wojtaszek
Wladimir Fedoseev - Dmitry Andreikin


Das 45. Sparkassen Chess-Meeting findet vom 15. bis 23. Juli im Orchesterzentrum in Dortmund statt. Es ist Wladimir Kramnik gewidmet, der vor 25 Jahren das erste Mal an den Start ging und sich bereits zehn Mal in die Siegerliste eintragen konnte. Die Runden beginnen täglich um 15 Uhr außer die letzte Runde, die schon um 13 Uhr startet. Den Spielplan finden sie unter diesem Link. Vor Ort kommentieren die Großmeister Klaus Bischoff und Sebastian Siebrecht (Foto unten) die Partien für die Zuschauer.

Text und Fotos: Georgios Souleidis