In der dritten Runde des Sparkassen Chess-Meetings verteidigten Matthias Blübaum und Radoslaw Wojtaszek die Tabellenführung. Blübaum wehrte die Angriffsversuche von Maxime Vachier-Lagrave ab und Wojtaszek erkämpfte sich einen halben Zähler gegen Wladimir Kramnik. Die zwei weiteren Begegnungen endeten ebenfalls remis. Liviu-Dieter Nisipeanu verteidigte sich umsichtig gegen Wang Yue, während Wladimir Fedoseev und Dmitry Andreikin schon früh die Friedenspfeife rauchten.

Matthias Blübaum sorgt in Dortmund weiter für Furore. Der 20-jährige Lemgoer liegt nach dem Remis gegen Maxime Vachier-Lagrave weiterhin an der Spitze. Gegen den Titelverteidiger wählte Blübaum seine Lieblingseröffnung - die Französische Verteidigung. Die Kontrahenten spulten die ersten 15 bis 20 Züge nach gewohnten Mustern schnell runter, ohne dass Vachier-Lagrave mit den weißen Steinen auch nur den Hauch eines Vorteiles nachweisen konnte.

Er schob daraufhin seine Bauern am Königsflügel vor, doch Blübaum besaß genügend Ressourcen, um mit seinem starken weißfeldrigen Läufer, der auf den weißen König schaute, gegenzuhalten. Mit dem 31. Zug forcierte "MVL" das Remis durch Dauerschach.

In der Partie zwischen Wladimir Fedoseev und Dmitry Andreikin stand ebenfalls die Französische Verteidigung auf dem Brett. Hier diskutierten die Spieler allerdings die Winawer-Variante mit dem eher seltenen Damenausflug über a5 nach a4. "Ich habe diese Variante zum ersten Mal gespielt und meinen Gegner überrascht", gab Andreikin nach der Partie an. In der Tat fand Fedoseev kein probates Mittel. Anstatt die Stellung im Zentrum zu öffnen, riegelte er das gesamte Brett ab, wonach es für keinen der Akteure einen realistischen Ansatz gab in die Stellung des Gegners vorzudringen.

Das Remis beschlossen die russischen Großmeister im 37. Zug, nachdem sie in der ganzen Partie keinen einzigen Bauern getauscht hatten. "Diese Variante mit dem schwarzen Damenmanöver nach a4 ist eine richtige Blockervariante", befand Fedoseevs Trainer Alexander Khalifman nach der Partie. Der FIDE-Weltmeister der Jahre 1999-2001 begleitet Fedoseev in Dortmund und ist nie um einen launigen Kommentar verlegen.

Wang Yue und Liviu-Dieter Nisipeanu spielten eine sehr interessante Positionspartie. Nisipeanu wandelte mit Schwarz in einer Variante des Damengambits auf den Spuren von Wladimir Kramnik. In einem damenlosen Mittelspiel hatte Wang Yue die bessere Bauernstruktur, doch die deutsche Nr. 1 besaß im Gegenzug etwas mehr Raum und dynamische Möglichkeiten. Wang Yue versuchte in seiner typischen Art die besten Felder für seine Leichtfiguren zu finden, doch Nisipeanu fand jederzeit eine passende Entgegnung.

Im 25. Zug fand "Nisi" den kritischen Zug, mit dem er alle Figuren tauschte und ein Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern forcierte. "Diese Variante ist wirklich erstaunlich. Weiß scheint positionell besser zu stehen, aber da Kramnik sie schon mehrmals gespielt hat, muss sie gut sein", rechtfertigte Nisipeanu seine Eröffnungswahl.

Wladimir Kramnik läuft in Dortmund bislang seiner Form hinterher. Gegen Radoslaw Wojtaszek wählte er in den ersten Zügen den eher harmlosen Colle-Aufbau, nur um über Zugumstellung ein Halbslawisches Damengambit anzubieten. Darauf ließ sich Wojtaszek nicht ein und die Spieler befanden sich früh auf theoretischem Neuland. Schon nach 15 Zügen waren drei Leichtfiguren getauscht und Kramnik versuchte durch die lange Rochade der Partie wenigstens ein bißchen Würze zu verleihen.

Wojtaszek war aber hervorragend zentralisiert und konnte sogar mehr als ein Remis anstreben. Er verzichtete aber auf die Annahme eines Bauernopfers und steuerte ein ausgeglichenes Doppelturmendspiel an. Kramnik versuchte mit seiner überragenden Technik noch eine Gewinnmöglichkeit zu erspähen, doch Wojtaszek war jederzeit auf der Hut und verdiente sich den halben Punkt nach 46 Zügen.

Kreuztabelle nach drei Runden

Die vierte Runde des Sparkassen Chess-Meetings beginnt am Mittwoch den 19. Juli um 15 Uhr. Die Paarungen lauten wie folgt:

Matthias Blübaum - Dmitry Andreikin
Radoslaw Wojtaszek - Wladimir Fedoseev
Liviu-Dieter Nisipeanu - Wladimir Kramnik
Maxime Vachier-Lagrave - Wang Yue


Das 45. Sparkassen Chess-Meeting findet vom 15. bis 23. Juli im Orchesterzentrum in Dortmund statt. Es ist Wladimir Kramnik gewidmet, der vor 25 Jahren das erste Mal an den Start ging und sich bereits zehn Mal in die Siegerliste eintragen konnte. Die Runden beginnen täglich um 15 Uhr außer die letzte Runde, die schon um 13 Uhr startet. Den Spielplan finden sie unter diesem Link. Vor Ort kommentieren die Großmeister Klaus Bischoff und Sebastian Siebrecht (Foto unten) die Partien für die Zuschauer.

Text und Fotos: Georgios Souleidis