Wladimir Kramnik (Foto unten) ist zurück im Rennen um den Turniersieg. Der Rekordsieger von Dortmund besiegte im Spitzenduell des Tages den bis dahin führenden Jan-Krzysztof Duda und holte den polnischen Jungstar an der Tabellenspitze ein. Beide weisen nach vier Runden 2,5 Punkte auf, genau wie Ian Nepomniachtchi und Vladislav Kovalev. Nepomniachtchi remisierte seine Partie gegen Radoslaw Wojtaszek, während Kovalev den Ansturm von Georg Meier abwehrte, um sich den halben Punkt zu verdienen. Nach der Schlappe vom Vortag rehabilitierte sich Anish Giri mit einem Sieg gegen Liviu-Dieter Nisipeanu. Der niederländische Großmeister liegt damit nur einen halben Punkt hinter der Spitze, während die deutsche Nr. 1 abgeschlagen mit 0,5 Punkten den letzten Platz einnimmt.

SCM 2018 07 18 Wladimir Kramnik

Die Partie zwischen Wladimir Kramnik und Jan-Krzysztof Duda war eine einseitige Angelegenheit. Der russische Großmeister wählte die Englische Eröffnung und stand nach zwölf Zügen mit dem Läuferpaar und Druck gegen den zentralen schwarzen Bauern auf d5 besser. "Mein Gegner hat wohl irgendwas verwechselt in der Eröffnung. Die Stellung gibt es sogar mit dem Turm auf e8 für Schwarz, aber mit dem Turm auf f8 muss es noch besser sein für Weiß", äußerte sich Kramnik im Anschluss.

DudaKramnik
Duda und Kramnik geben sich die Hand vor der Partie

Der Turnierfavorit eroberte bald den Bauern auf d5 und besaß außerdem die aktiveren Schwerfiguren. Duda fand keine ausreichende Verteidigung und ließ den Übergang in ein Turmendspiel zu, in dem Kramnik einen Mehrbauer und einen aktiven Turm auf der 7. Reihe besaß. Der Rest war Sache seiner herausragenden Technik. Er aktivierte seinen König und gewann sicher dank seines Freibauern auf der d-Linie. Nach nur drei Stunden feierte Kramnik seinen ersten Sieg beim Sparkassen Chess-Meeting 2018.

Radoslaw Wojtaszek und Ian Nepomniachtchi beendeten ungefähr zeitgleich ihre Partie. In einem seltenen Damengambit mit der frühen Entwicklung des weißfeldrigen Läufers von Schwarz nach f5 hätte man meinen können, dass sich die Spieler etwas Zeit lassen würden in der Eröffnung - doch Pustekuchen. Sie blitzten im Prinzip die ersten 15 Züge aufs Brett, bis der russische Großmeister mit Schwarz das erste Mal etwas länger nachdachte. Wojtaszek besaß dank vier Bauern auf der 4. Reihe ein massives Zentrum und dadurch Raumvorteil.

NepomniachtchiWojtaszek
Wojtaszek führt einen Zug aus, den Nepomniachtchi notiert

Der Vorjahressieger aus Polen schaffte es aber nicht seinen Vorteil auszubauen. Stattdessen verhinderte Nepomniachtchi mit allen Figuren den kritischen Vorstoß d4-d5 und hielt das weiße Zentrum dadurch in Schach. Kurz nach der Zeitkontrolle wiederholten die Spieler in ausgeglichener Stellung die Züge und einigten sich auf remis.

Georg Meier ging voller Hoffnung in das Duell gegen Vladislav Kovalev, den er in den bisherigen zwei Partien in der Vergangenheit geschlagen hatte. Beim dritten Mal wählte der weißrussische Großmeister die Hauptvariante der Katalanischen Eröffnung. "Das war eine Überraschung für mich", meinte Meier, weil es das erste Mal war, das Kovalev diese Eröffnung spielte. Kovalev fügte hinzu, dass er sich für dieses Turnier mit vielen neuen Eröffnungen und Ideen vorbereitet hätte, auch um seine Gegner zu Beginn der Partie zu überraschen.

KovalevMeier
Im dritten Duell gegeneinander glückte Kovalev ein Remis gegen Georg Meier

Die Kontrahenten folgten einem bekannten Pfad, bis Meier im 12. Zug einen für Kovalev unbekannten Zug spielte. Die kritische Stellung entstand nach 17.Kxg2. Meier war optimistisch, denn er drohte das Zentrum zu erobern und mit der besseren Leichtfigur zu verbleiben. Kovalev fand aber gleich zwei fantastische Ressourcen. Zuerst konterte er im Zentrum mit 17...c5!, bevor er mit 21...b6 nebst Überführung der schwarzen Dame nach b7 eine starke Verteidigung fand. Meier blieb nichts anderes übrig als ein ausgeglichenes Läuferendspiel anzusteuern, das die Spieler nach 40 Zügen remis gaben.

Anish Giri gelang sein erster Sieg in Dortmund. Mit Schwarz wählte er gegen Liviu-Dieter Nisipeanu die Najdorf-Variante der Sizilianischen Verteidigung und in einer positionellen Variante versuchte die deutsche Nr. 1 die Schwäche des Feldes d5 auszunutzen. Giri ergriff mit 12...b5 Raum am Damenflügel und spätestens nach dem Damentausch mit 21...a5 sogar die Initiative. "Das war ein wichtiger Zug, bevor er mit seinem Springer das Feld a5 blockiert", erläuterte der niederländische Großmeister sein Vorgehen.

GiriNisipeanu
Anish Giri und Liviu-Dieter Nisipeanu kurz vor Beginn ihrer Partie

Giri nutzte in der Folge die Öffnung der a-Linine gekonnt aus, um mit seinen Türmen in die weiße Stellung einzudringen. Nisipeanu ofperte eine Qualität, doch das Endspiel Turm gegen Läufer war hoffnungslos für ihn. Am Ende konnte sich Giri aussuchen, wie er den Sieg nach Hause fährt und obwohl er sich nicht sicher war ob seiner Züge, zeigten die Computerprogramme durchgehend fehlerloses Spiel an.

Mit der 5. Runde geht es beim Sparkassen Chess-Meeting nach einem Ruhetag weiter am Freitag den 20. Juli. Die Partien, die im Orchesterzentrum Dortmund um 15 Uhr starten, lauten wie folgt:

Vladislav Kovalev - Liviu-Dieter Nisipeanu
Radoslaw Wojtaszek - Anish Giri
Ian Nepomniachtchi - Wladimir Kramnik
Jan-Krzysztof Duda - Georg Meier

Text und Fotos: Georgios Souleidis

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